Eine Frage des Geldes

  1. Kostet Musikunterricht heute im Verhältnis mehr Geld als etwa in den Siebzigern (in denen viele Musikschulen entstanden)?
  2. Haben die Leute heute wirklich weniger Geld?
  3. Haben sie mehr Kinder, also weniger Geld pro Kind zur Verfügung?
  4. Geben wir alle mehr Geld für andere Dinge aus?
  5. Gehen vielleicht mehr Kinder als früher zum Gitarrenunterricht?

Dass Instrumentalunterricht in den letzten Jahrzehnten unmäßig teurer wurde als Zigaretten, Kino oder die Dienstleistung an der KFZ- Zulassungsstelle bezweifle ich. Allerdings müssen Musikschulen mit öffentlicher Förderung, bei der die Angestellten von Kommunen oder Landkreisen bezahlt werden zum Teil mehr Geld für Personalkosten aufwenden. Die Lehrer werden schon mal älter und verheirateter und bekommen Kinder. Dadurch steigen die Bezüge; erst wenn jemand in Rente geht und dafür eine neue Lehrkraft eingestellt wird, die jung, ledig und kinderlos ist, beginnt dieser Zyklus von vorne. Wenn ich mein Auto anmelde oder mein Kind in die Schule schicke ist dort vielleicht auch jemand tätig, der 58 Jahre alt ist und drei Kinder hat, aber das wirkt sich auf die Gebühr für den Führerschein nicht so aus. Hier werden diese Kosten aufgefangen. An der Musikschule fließen sie zumindest teilweise in die Entgelte ein. Essen zu gehen und die Markenjeans sind aber auch nicht wirklich billiger geworden.
Ob wir alle weniger Geld haben, führt direkt in eine politische Diskussion über Lohnzuwachs und Umverteilung – dafür ist hier aber nicht der Ort 🙂 

Mehr Kinder als vor 30 Jahren haben wir im Schnitt nicht, also müßte pro Kind mehr Geld da sein, aber daran schließt sich die Erörterung an, ob wir nicht auch mehr nach Mallorca fliegen, höherwertige Autos fahren, mehr Geld für (Unterhaltungs-) Elektronik ausgeben, mehr für angesagte Kleidung anlegen u.s.w. Wir haben definitiv einen anderen Lebensstil, und der ist so selbstverständlich, dass er gar nicht mehr hinterfragt wird. Wir haben mehr Freizeit, die muss gefüllt werden und wer füllt die schon mit Gitarre lernen, Yoga üben oder gar mit dem Erlernen einer Fremdsprache, um vielleicht ein Buch in der Originalsprache lesen zu können – alles Dinge, die in erster Linie Zeit und Mühe kosten, nicht Geld…
Trotzdem probieren derzeit viel mehr Kinder als früher, ein Instrument zu erlernen (und das ist gut so!). Natürlich hören manche davon nach einiger Zeit wieder auf, weil Begabung, Lust oder Motivation nicht reichen. Ich meine auch, dass heute viel mehr Kinder Hobbies wie Reiten, Tennis und dergleichen (die früher als teuer galten) ausprobieren dürfen.

Wie man mit dieser Problematik umgeht ist jedermanns Privatsache. Der eine sucht sich die günstigste Unterrichtsmöglichkeit (immer wieder mit dem Ergebnis, dass die Geschichte in einer Sackgasse endet, das Kind vieles um- und neu lernen und sich an einen neuen Lehrer gewöhnen muss, damit emotional überfordert ist etc.), der andere kann’s bezahlen oder sagt sich „Das ist es mir wert“. Zu hinterfragen, was die Dinge, die man so tut und kauft für einen Wert für das eigene Leben haben, ist sicher nicht schlecht. Die einen gehen jedes Wochenende in die Disco und lassen dort ihr Geld, die anderen nehmen 3 Gitarrenstunden in der Woche… Jedem das seine, für sich selbst und seine Zukunft.